Lotsenfunktion für die Ärzteschaft
Primärversorgungspraxen übernehmen die zentrale Lotsenfunktion im Gesundheitssystem: Sie sind die erste ärztliche Anlaufstelle, behandeln möglichst fallabschließend und koordinieren, sofern erforderlich, die weitere Versorgung.
Heute funktioniert das oft noch nicht gut genug. Dabei sollen Hausärztinnen und -ärzte schon heute ihre Patientinnen und Patienten durch das System begleiten. Aber wenn bei Weiterbehandlungsbedarf nur ein Überweisungsschein in Papierform übergeben wird, fehlen genau die Transparenz und Verknüpfung, die gute Versorgung braucht: Findet die Patientin, der Patient überhaupt in der gebotenen Zeit eine fachärztliche Praxis? Und landen dort im Vorfeld auch alle verfügbaren Informationen, die Diagnostik und Behandlung erleichtern?
Versorgung ganzheitlich denken
Deshalb reicht es nicht, lediglich über Einschreibemodelle oder einzelne Vertragsformen zu diskutieren. Wir brauchen für alle gesetzlich Versicherten ein ambulantes System, das Versorgung besser koordiniert. Hierfür müssen Hausärztinnen und -ärzte künftig mit digitalen Tools unterstützt werden: digitale Bedarfseinschätzung, elektronische Überweisung und digital unterstützte Terminvermittlung.
Daraus folgen klare Prozesse und eine strikte Orientierung an medizinischer Dringlichkeit. Über die Geschwindigkeit der Terminvergabe entscheidet künftig der medizinische Bedarf, nicht der Versichertenstatus. Das Ziel ist nicht mehr Bürokratie, sondern Orientierung (und dadurch mehr Sicherheit) für Menschen im Gesundheitssystem, weniger Doppeluntersuchungen sowie schnellere Versorgung bei akutem Bedarf. Denn gute und gerechte Versorgung darf nicht davon abhängen, ob jemand privat oder gesetzlich versichert ist oder zufällig den richtigen Kontakt hat.