Langzeitpflege

Pflege-Monitoring ja, Roboter nein: Befragung zu digitalen Technologien

Oktober 2026

Digitale Pflegedokumentation, Tourenplanung, Monitoring: Die Digitalisierung der Langzeitpflege steht auf der politischen Agenda. Doch was denken die Menschen, die täglich Entscheidungen treffen, Einrichtungen leiten oder die Versorgung gestalten? Das Kompetenzzentrum Digitalisierung und Pflege beim GKV-Spitzenverband hat diesbezüglich erstmals bundesweit systematisch Daten erhoben. Die Ergebnisse zeigen eine klare Tendenz, aber auch Unterschiede zwischen stationär und ambulant werden deutlich.

Wer wurde befragt?

An der Befragung von März bis Mai 2026 beteiligten sich aus allen 16 Bundesländern 977 Akteurinnen und Akteure aus der Langzeitpflege und pflegenahen Bereichen, darunter Einrichtungsleitungen und Pflegedienstleitungen aus ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen, aber auch Vertreterinnen und Vertreter aus Trägerorganisationen, Berufsverbänden, Politik und Forschung. Rund 70 Prozent der Befragten sind in Einrichtungen tätig, die Menschen direkt pflegerisch versorgen. Neben Bekanntheit und Relevanz von 13 digitalen Technologien wurde erhoben, welche drei Technologien die Befragten tatsächlich priorisieren würden und welche Informationen sie für deren Nutzung bräuchten.

Bekannte Technologien, klare Relevanzen und überraschende Prioritäten

Digitale Wundversorgung, Tourenplanung und Pflegedokumentation kennen jeweils mehr als 94 Prozent der Befragten. Soziale Assistenzroboter hingegen sind nur 58 Prozent bekannt.

Abbildung 1: Bekanntheit digitaler Technologien in der Langzeitpflege
Das Balkendiagramm zeigt den Anteil der Befragten, die die jeweilige Technologie kennen (Basis: n = 977) – absteigend sortiert: Digitale Wundversorgung 99,2 %, Digitale Pflegedokumentation 96,9 %, Digitale Dienst-/Tourenplanung 94,2 %, Pflege-Monitoring (Vitaldaten) 90,6 %, Digitale Sturzerkennung 89,0 %, Digitale Teamkommunikation 88,5 %, Digitale Medikamentenprozesse 88,4 %, Exoskelette 88,1 %, Robotische Logistiksysteme 88,1 %, Sprachgesteuerte Pflegedokumentation 80,9 %, Digitale Fort-/Weiterbildung 77,8 %, Transfer- und Hebesysteme 68,3 %, Soziale Assistenzroboter 58,4 %.
Quelle: Kompetenzzentrum Digitalisierung und Pflege (2026): Digitale Technologien in der Langzeitpflege. Ergebnisse einer bundesweiten Stakeholderbefragung. GKV-Spitzenverband (Hrsg.). Berlin.

Bei der Relevanz spiegelt sich das weitgehend wider: Pflegedokumentation, Tourenplanung und Wundversorgung gelten als unverzichtbar. Robotische Logistiksysteme erhalten trotz hoher Bekanntheit die niedrigste Relevanzbewertung aller Technologien. Soziale Assistenzroboter polarisieren: Rund die Hälfte der Befragten attestiert ihnen kaum oder keine Bedeutung, knapp 29 Prozent schreiben ihnen hohe oder sehr hohe Relevanz zu.

Abbildung 2: Wahrgenommene Relevanz digitaler Technologien in der Langzeitpflege
Das Balkendiagramm zeigt die mittlere Relevanzbewertung (M) auf einer fünfstufigen Skala (1 = keine Bedeutung, 5 = sehr hohe Bedeutung) (Basis: n = 977) – absteigend sortiert: Digitale Pflegedokumentation 4,51, Digitale Dienst-/Tourenplanung 4,29, Digitale Wundversorgung 4,24, Digitale Medikamentenprozesse 4,15 Digitale Teamkommunikation 3,91, Digitale Sturzerkennung 3,58, Pflege-Monitoring (Vitaldaten) 3,35, Soziale Assistenzroboter 3,32, Sprachgesteuerte Pflegedokumentation 3,17, Transfer- und Hebesysteme 3,09, Exoskelette 2,94, Digitale Fort-/Weiterbildung 2,89, Robotische Logistiksysteme 2,52
Quelle: Kompetenzzentrum Digitalisierung und Pflege (2026): Digitale Technologien in der Langzeitpflege. Ergebnisse einer bundesweiten Stakeholderbefragung. GKV-Spitzenverband (Hrsg.). Berlin.

Noch deutlicher wird das Bild bei der Priorisierung. Gefragt, welche drei Technologien sie tatsächlich einführen würden, setzen die Befragten klare Signale: Pflege-Monitoring führt mit 78,9 Prozent der Top-3-Nennungen, dicht gefolgt von der Tourenplanung mit 74,8 Prozent. Robotische Logistiksysteme wählen nur 2,8 Prozent unter ihre Top 3.

Abbildung 3: Priorisierung digitaler Technologien in der Langzeitpflege
Das Balkendiagramm zeigt den Anteil der Befragten, die die jeweilige Technologie unter ihre Top 3 gewählt haben (Basis: n = 977) – absteigend sortiert: Pflege-Monitoring (Vitaldaten) 78,9 %, Digitale Dienst-/Tourenplanung 74,8 %, Digitale Pflegedokumentation 30,4 %, Exoskelette 23,2 %, Digitale Sturzerkennung 20,7 %, Digitale Teamkommunikation 20,6 %, Sprachgesteuerte Pflegedokumentation 13,8 %, Digitale Medikamentenprozesse 11,2 %, Soziale Assistenzroboter 8,3 %, Digitale Wundversorgung 7,3 %, Digitale Fort-/Weiterbildung 4,8 %, Transfer- und Hebesysteme 3,3 %, Robotische Logistiksysteme 2,8 %
Quelle: Kompetenzzentrum Digitalisierung und Pflege (2026): Digitale Technologien in der Langzeitpflege. Ergebnisse einer bundesweiten Stakeholderbefragung. GKV-Spitzenverband (Hrsg.). Berlin.

Ambulant und stationär denken verschieden

Ambulante Dienste priorisieren Tourenplanung und Teamkommunikation – verständlich, wenn Pflegekräfte dezentral und oft allein arbeiten. Stationäre Einrichtungen setzen stärker auf sprachgestützte Dokumentation, Sturzerkennung und körperliche Entlastungssysteme wie Exoskelette.

Was gebraucht wird: Evidenz statt Bauchgefühl

Mit 81,5 Prozent besteht zu Nutzen und Wirksamkeit der mit Abstand wichtigste Informationsbedarf. Kosten und Wirtschaftlichkeit folgen auf Platz zwei. Die Akteurinnen und Akteure wollen wissen, ob eine Technologie tatsächlich einen Unterschied macht. Bemerkenswert ist das Schlusslicht: Datenschutz und rechtliche Rahmenbedingungen nennen nur 13,5 Prozent unter ihren Top 3. Ob das eine bewusste Wertung ist oder ein blinder Fleck, gerade bei vernetzten Monitoring-Systemen und KI-gestützter Dokumentation, bleibt offen. Das Kompetenzzentrum nimmt beides ernst. (wil)

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