Pflege-Modellprojekt

AniTa – Vernetzung und Hilfe für entfernt lebende Angehörige

Juni 2018

Ob aufgrund der zunehmend geforderten beruflichen Flexibilität oder aufgrund familiärer Erfordernisse – immer häufiger leben erwachsene Kinder so weit von ihren alt gewordenen Eltern entfernt, dass sie nicht mehr schnell und unkompliziert unterstützen und helfen können, wenn es erforderlich wird. Was das bedeutet, welche Belastungen auf die Beteiligten zukommen und ob eine Vernetzung im Sinne eines „Tausches von Fürsorge“ ihnen helfen kann, untersucht ein Team der HAW Hamburg im Rahmen eines Modellprojektes, das vom GKV-Spitzenverband nach §8 Abs.3 SGB XI gefördert wird.

Wenn die eigenen Eltern alt werden, dann beginnt für viele erwachsene Kinder eine oft schwierige Zeit, auch gerade wenn sie weit entfernt leben. Die Sorge, ob in der alten Heimat alles in Ordnung ist, wechselt sich häufig ab mit schlechtem Gewissen, weil man nicht vor Ort ist. Dabei spielt es nur eine untergeordnete Rolle, ob die Entfernung 80 oder 800 Kilometer beträgt – schnelle und informelle Besuche sind einfach nicht möglich.

Das Modellprojekt AniTa („Angehörige im Tausch“) will mittels einer Onlineplattform ermöglichen, dass entfernt lebende erwachsene Kinder sich vernetzen und eine Tauschpartnerschaft eingehen. Konkret bedeutet das, dass die Teilnehmenden sich dort, wo sie leben, um einen alten, allein lebenden Menschen kümmern, während jemand anderes Unterstützung für die eigenen entfernt lebenden Eltern anbietet. Dabei geht es nicht darum, zu pflegen oder den Haushalt zu führen. Angedacht sind vielmehr Besuche, Aktivitäten und kleine, informelle Hilfestellungen im Alltag.

Schematische Darstellung des Modellablaufs

Ziel der Vernetzung ist es, den alt gewordenen Eltern – egal, ob diese noch zu Hause oder bereits in einer stationären Pflegeeinrichtung leben – ein gewisses Maß an Teilhabe zu sichern und einer drohenden Vereinsamung entgegenzuwirken. Die entfernt lebenden erwachsenen Kinder profitieren, indem sie selber einen Ansprechpartner vor Ort haben, der oder die aus eigener Anschauung weiß, was es bedeutet, „entfernt lebend“ zu sein.

Nach einer ersten Projektphase, in der es darum ging, die Bedarfe der Betroffenen zu eruieren, tritt das Projekt nun in eine zweite Phase. Jetzt geht es darum, Interessierte zu finden und erste Tauschbeziehungen anzustoßen. Diese werden im Rahmen der Projektphase begleitet, um festzustellen, ob diese Art der Vernetzung von den Beteiligten als hilfreich empfunden wird bzw. welche weitergehenden Bedürfnisse deutlich werden.

Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden sich auf der Webseite des Projektes.