Qualitätssicherung im Krankenhaus

Weniger Qualitätsmessung durch Corona - Wie geht es weiter?

Juni 2020

Durch die COVID-19-Pandemie liegt die Erfassung und Bewertung der planungsrelevanten Qualitätsindikatoren aktuell auf Eis: Zahlreiche Elemente des Prüfverfahrens wurden für die Qualitätsdaten 2019 ausgesetzt. Wie und wann geht es nun weiter mit den neuen planungsrelevanten Qualitätsindikatoren?

Seit 2017 werden ausgewählte Qualitätsaspekte von Krankenhäusern in dem speziellen Qualitätssicherungsverfahren der planungsrelevanten Qualitätsindikatoren betrachtet. Bisher liegen dazu die bewerteten Ergebnisse zu elf Qualitätsindikatoren aus den Bereichen Frauenheilkunde und Geburtshilfe ab dem Jahr 2017 vor. Für das Jahr 2018 existiert erstmals eine Sonderveröffentlichung auf der Website des IQTIG. Die Ergebnisse des Erfassungsjahrs 2019 sollten ursprünglich im Oktober 2020 veröffentlicht werden.

Auswirkungen der COVID-19-Pandemie

Um die Krankenhäuser während der Pandemie zu entlasten, wurden im März 2020 zentrale Elemente des Prüfverfahrens (Datenvalidierung, Neuberechnung, Stellungnahmeverfahren) für die Daten aus dem Jahr 2019 ausgesetzt. Es fehlt somit eine valide Grundlage für eine Ergebnisveröffentlichung, weshalb auf eine Veröffentlichung der Ergebnisse des Erfassungsjahres 2019 verzichtet wird. Die nächsten bewerteten und veröffentlichten Ergebnisse für das Erfassungsjahr 2020 sind im Oktober 2021 zu erwarten.

Methodische Weiterentwicklung der planungsrelevanten Qualitätsindikatoren erforderlich

Auch in der momentanen Ausnahmesituation wird an der Verbesserung des Qualitätssicherungsverfahrens gearbeitet. Bei den planungsrelevanten Qualitätsindikatoren gibt es noch viel zu tun: So erfüllen die ersten elf Indikatoren die Vorgaben des Bundesministeriums für Gesundheit noch nicht. Um einen fristgerechten Beschluss herbeizuführen, wurde nämlich bei ihrer Entwicklung auf bereits existierende Qualitätsindikatoren zurückgegriffen.

Eine Frau im Rollstuhl mit Baby im Arm und ein Arzt unterhalten sich im Krankenhaus

Daher differenzieren elf Indikatoren zwar zwischen „zureichender“ und „unzureichender“ Qualität, bilden jedoch „in erheblichem Maß unzureichende“ Qualität noch nicht ab. Außerdem liegt noch keine anwendbare Methode vor, um den im Gesetz geforderten Fachabteilungsbezug herzustellen. Vorhergehende Entwicklungsarbeiten des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) weisen methodische Ansätze auf, die jedoch einer weiteren fachwissenschaftlichen Ausarbeitung einschließlich Vorschlägen zur Verkürzung von Entwicklungszeiten bedürfen.

IQTIG soll weiterführende Methodik erarbeiten

Deshalb wurde das IQTIG jetzt vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) mit mehreren aufeinander aufbauenden Schritten beauftragt:

  • Teil A: Zuerst sollen methodische Aspekte geprüft werden, z. B. für welche Bezugsebenen eine Qualitätsbewertung durch planungsrelevante Qualitätsindikatoren stattfinden kann (ganze Fachabteilung, einzelne Leistung), wie eine differenzierte Qualitätsbewertung für planungsrelevante Qualitätsindikatoren erfolgen kann und wie neue planungsrelevante Qualitätsindikatoren entwickelt werden können. Auf Basis der Ergebnisse dieser Prüfschritte sollen verschiedene Lösungsoptionen dargestellt und verglichen werden. Der Bericht zu Teil A ist dem G-BA bis zum 20. Dezember 2020 vorzulegen. Nach Beratung wählt der G-BA die Option aus, die anschließend in Teil B durch das IQTIG bearbeitet wird.
  • Teil B beinhaltet ein methodisches Entwicklungs- und Bewertungsmodell für planungsrelevante Qualitätsindikatoren.
  • Teil C schließlich enthält ein Anwendungsbeispiel, um zu veranschaulichen, wie das entwickelte Modell angewendet werden kann.

Der G-BA hat sich verpflichtet, spätestens fünf Monate nach Abgabe von Teil A eine Entscheidung zu treffen, welche Optionen durch das IQTIG weiterbearbeitet werden sollen. Ein alle Teile umfassender Abschlussbericht ist neun Monate nach der Entscheidung zu Teil A vorzulegen, also bis spätestens Februar 2022.

Ergebnis aller Entwicklungsschritte sollen nicht neue planungsrelevante Qualitätsindikatoren, sondern eine fundierte Methodik sein, um neue Qualitätsindikatoren zu entwickeln. Das IQTIG soll dann in Folgeaufträgen mit der Entwicklung neuer planungsrelevanter Qualitätsindikatoren unter Anwendung dieser Methodik beauftragt werden. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Qualitätssicherung mit Konsequenzen in der stationären Versorgung. (dma, aks)