GAmSi-Telegramm

Antibiotikaverbrauch regional unterschiedlich

Februar 2026

Als eine der großen Errungenschaften der Medizin können Antibiotika Leben retten – zu häufiger und ungezielter Einsatz birgt jedoch das Risiko für Resistenzbildung. Eine wesentliche Maßnahme zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen beinhaltet, dass überwiegend „Access-Antibiotika“ verordnet werden sollen, während „Reserve-Antibiotika“ nur in Ausnahmefällen zum Einsatz kommen. Die Auswertung von Daten der vergangenen sieben Jahre zeigt tatsächlich eine Veränderung im Verordnungsgeschehen sowie regionale Unterschiede.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ordnet Antibiotika in drei Kategorien ein: „Access“, „Watch“ und „Reserve“ – kurz: AWaRe. Access‑Antibiotika gelten als Mittel der ersten Wahl, Watch‑Antibiotika sollen gezielt und zurückhaltend eingesetzt werden, während Reserve‑Antibiotika nur für besondere Ausnahmefälle vorgesehen sind, wie zum Beispiel zur Behandlung von Infektionen durch multiresistente Erreger. Für die vorliegende Auswertung wurde die WHO‑AWaRe‑Klassifikation in der Version von 2021 verwendet (2021 ‎AWaRe classification)‎ und nur die Gruppe der systemisch wirkenden Antibiotika (J01), die in Deutschland den größten Verbrauch darstellen, berücksichtigt.

Ein älterer Mann nimmt eine Tablette ein

Der Rat der Europäischen Union empfiehlt, dass bis 2030 mindestens 65 Prozent des gesamten humanen Antibiotikaverbrauchs aus der Access‑Gruppe stammen soll. Diese Maßnahme soll fördern, dass bevorzugt solche Antibiotika eingesetzt werden, die ein im Vergleich zu anderen Antibiotika geringeres Risiko für die Entwicklung und Ausbreitung von Resistenzen aufweisen (health.ec.europa.eu, 1. Aktionsplan zur DART 2030).

Unterschiedlicher Antibiotikaverbrauch in den KV-Regionen?

Im Rahmen des SAMBA-Projekts (Surveillance ambulanter Antibiotikaeinsatz SAMBA) ist der GKV-Spitzenverband eine Kooperation mit dem Robert Koch-Institut (RKI) eingegangen. Als ein Ergebnis dieser Kooperation wird in den arztindividuellen GAmSi-Berichten nach § 84 Absatz 5 SGB V das Verordnungsverhalten bei Antibiotika (ATC-Code 2te Ebene J01) für bestimmte Fachgruppen ausgewertet.

Abbildung 1: Anteil von verordneten Access-Antibiotika an der Gesamtzahl abgegebener Antibiotika in DDD (J01), 2019
Schleswig-Holstein: 57 %; Hamburg: 61 %; Bremen: 65 %; Niedersachsen: 57 %; Westfalen-Lippe: 61 %; Nordrhein: 59 %; Hessen: 50 %; Rheinland-Pfalz: 52 %; Baden-Württemberg: 58 %; Bayern: 55 %; Berlin: 63 %; Saarland: 56 %; Mecklenburg-Vorpommern: 51 %; Brandenburg: 55 %; Sachsen-Anhalt: 53 %; Thüringen: 54 %; Sachsen: 53 %.
Quelle und Darstellung: GKV-Spitzenverband.

Analog zu den arztindividuellen GAmSi-Berichten wollen wir diese Herangehensweise auf die regionale Antibiotikaverordnungsgeschehen übertragen. Die auf Apotheken-Abrechnungsdaten der GKV basierende regionale Vergleichsanalyse des Antibiotikaverbrauchs zur systemischen Anwendung in Deutschland bildet den regionalen vertragsärztlichen ambulanten Antibiotikaverbrauch in der gesetzlichen Krankenversicherung im Zeitraum von 2019 bis 2025 ab. Das Jahr 2019 dient als Ausgangspunkt, da es vor Beginn der Corona‑Pandemie liegt und somit einen Referenzwert für spätere Entwicklungen bietet. Im Fokus steht die Frage, wie sich die Verbräuche von Access‑, Watch‑ und Reserve‑Antibiotika regional und zeitlich veränderten und ob deutliche Unterschiede zwischen den Regionen bestanden. Hierbei wird die Anzahl an verordneten Antibiotika-Packungen je 1.000 GKV-Versicherte betrachtet.

Abbildung 2: Anteil von verordneten Access-Antibiotika an der Gesamtzahl abgegebener Antibiotika in DDD (J01), 2025
Schleswig-Holstein: 70 %; Hamburg: 71 %; Bremen: 75 %; Niedersachsen: 67 %; Westfalen-Lippe: 71 %; Nordrhein: 67 %; Hessen: 61 %; Rheinland-Pfalz: 61 %; Baden-Württemberg: 68 %; Bayern: 66 %; Berlin: 71 %; Saarland: 65 %; Mecklenburg-Vorpommern: 62 %; Brandenburg: 66 %; Sachsen-Anhalt: 61 %; Thüringen: 64 %; Sachsen: 64 %.
Quelle und Darstellung: GKV-Spitzenverband.

Die Kartendarstellungen in den Abbildungen 1 bis 4 zeigen zwischen 2019 und 2025 insgesamt einen bundesweiten Trend hin zu einem höheren Anteil von Access‑Antibiotika und zu einer rückläufigen Anzahl an verordneten Antibiotika-Packungen je 1.000 Versicherte. Die KV-Regionen verzeichnen einen Anstieg des Access‑Antibiotika-Anteils im Bereich von 8,3 bis 12,5 Prozentpunkten. Eine positive Entwicklung konnte in diesem Zeitraum in allen KV-Regionen beobachtet werden. Im Jahr 2025 führte Bremen mit 75 Prozent (Abb. 1 und 2).

Abbildung 3: Anzahl verordneter Packungen systemischer Antibiotika (J01) ; je 1.000 Versicherte, 2019
Bayern: 393; Brandenburg: 280; Berlin: 344; Bremen: 420; Baden-Württemberg: 393; Hamburg: 392; Hessen: 422; Mecklenburg-Vorpommern: 362; Niedersachsen: 430; Nordrhein: 449; Rheinland-Pfalz: 467; Sachsen-Anhalt: 333; Saarland: 510; Sachsen: 304; Schleswig-Holstein: 389; Thüringen: 332; Westfalen-Lippe: 439.
Quelle und Darstellung: GKV-Spitzenverband.

Innerhalb dieses Trends werden aber regionale Unterschiede bei der Anzahl verordneter Antibiotika-Packungen je 1.000 Versicherten sichtbar: In den meisten westlichen KV‑Regionen werden sowohl 2019 als auch 2025 tendenziell mehr Antibiotika verordnet (Spitzenwert: KV Saarland mit 510 Packungen/1.000 Versicherte im Jahr 2019 und 443 Packungen/1.000 Versicherte im Jahr 2025), während in den östlichen KV‑Regionen weniger Packungen, aber auch ein geringerer Anteil an Access‑Antibiotika verschrieben werden. (amm)

Weitere ergänzende interaktive Grafiken und Tabellen, z. B. zu Versichertenzahlen und zum Verordnungsgeschehen im Fertigarzneimittelmarkt, finden Sie unter https://www.gkv-gamsi.de/.

Abbildung 4: Anzahl verordneter Packungen systemischer Antibiotika (J01)
je 1.000 Versicherte, 2025
Bayern: 354; Brandenburg: 250; Berlin: 291; Bremen: 327; Baden-Württemberg: 351; Hamburg: 334; Hessen: 372; Mecklenburg-Vorpommern: 325; Niedersachsen: 376; Nordrhein: 393; Rheinland-Pfalz: 396; Sachsen-Anhalt: 304; Saarland: 442; Sachsen: 279; Schleswig-Holstein: 339; Thüringen: 297; Westfalen-Lippe: 379.
Quelle und Darstellung: GKV-Spitzenverband.

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