Puh, es ist geschafft. Auf den letzten Metern vor der Sommerpause hat der Bundestag ein großes Sparpaket für stabile Kassenbeiträge beschlossen. Die Widerstände von allen Seiten waren riesig – auch wir als GKV-Spitzenverband haben uns trotz einer grundsätzlichen Zustimmung gegen viele Details zur Wehr gesetzt. Zu guter Letzt hatte das Bundesverfassungsgericht noch einen echten „High-Noon-Moment“, bevor das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz dann doch von Bundestag und Bundesrat beschlossen wurde. Bei aller Kritik ist das ein gutes Signal für 75 Millionen gesetzlich Versicherte und deren Arbeitgebende. Jetzt kommt es darauf an, dass die Beschlüsse von allen Akteuren im Gesundheitswesen zügig und konstruktiv umgesetzt werden.
Es ging dann doch erstaunlich schnell: Vor einem halben Jahr habe ich an dieser Stelle ein beherztes Handeln der Bundesregierung in Bezug auf die Kassenfinanzen angemahnt. Mein Optimismus hielt sich vor dem Jahreswechsel in Grenzen. Nun muss ich konstatieren, und darüber bin ich ehrlich froh, dass es der Bundesregierung gelungen ist, innerhalb von gut sechs Monaten ein umfassendes Gesetz auf den Weg zu bringen. Durchaus mit Härten und Zumutungen – aber es legt die Grundlagen dafür, dass die Krankenkassenbeiträge im Jahr 2027 stabil bleiben können.
Nach der Stabilisierung ist vor der Reform
Der Finanzkollaps ist kurzfristig abgewendet, aber ausruhen ist nicht! Denn was wir jetzt dringend brauchen, sind grundlegende Strukturreformen, um unser Gesundheitswesen für die Zukunft gut aufzustellen. Dabei werden Reformprojekte wie die Primärversorgung und die Neuordnung der Notfallversorgung eine zentrale Rolle spielen. Auch die Krankenhausreform bleibt ein zentraler Punkt – sie muss konsequent durch die Länder umgesetzt werden. Wir müssen die Prävention endlich als gesamtgesellschaftliche Aufgabe ausbauen. Und nicht zuletzt müssen wir die Chancen von Digitalisierung und KI aktiv nutzen. Ohne fundamentale Umbauprozesse werden uns die Kosten im Gesundheitswesen in absehbarer Zeit wieder um die Ohren fliegen. Ich appelliere an alle, die in unserem Gesundheitswesen Verantwortung tragen, die Maßnahmen des Sparpakets konstruktiv und verantwortungsvoll umzusetzen und auch künftig engagiert an den anstehenden Reformen mitzuarbeiten. Einen solchen Kraftakt werden wir nur gemeinsam stemmen, wenn ab jetzt alle aus dem Meckern ins Machen kommen.