Qualitätssicherung

Qualitätsreport 2025: Qualitätssicherungs-Verfahren Dekubitusprophylaxe unterstützt Reduktion von schweren Komplikationen

Juli 2026

Im dritten und letzten Teil unserer Serie rückt das Qualitätssicherungsverfahren Dekubitusprophylaxe aus dem Qualitätsreport 2025 in den Fokus. Ein entsprechendes Qualitätsverfahren deckt ein maßgebliches Verbesserungspotenzial in der Verhinderung von Dekubitusfällen auf.

Ein Dekubitus, auch Druckgeschwür, ist eine lokal begrenzte Schädigung der Haut und des darunterliegenden Gewebes durch Druck, oft kombiniert mit Scherkräften. Besonders gefährdet sind immobilisierte oder schwer kranke Patientinnen und Patienten, etwa bei Bewegungseinschränkungen, Diabetes oder Inkontinenz. Dekubituswunden (Dekubitalkulcera) können bis auf Muskel und Knochen reichen, sehr schmerzhaft sein, Infektionen auslösen und die Lebensqualität stark mindern (Qualitätsreport 2025, S. 163).

Abbildung 1: Grade des Dekubitus.
Dargestellt ist ein Querschnitt durch die Gewebe-Ebenen Oberhaut, Lederhaut, Unterhaut, Sehnen und Muskeln sowie Knochen. In 4 Teilabbildungen wird der zunehmende Gewebeverlust entsprechend dem Dekubitus-Grad dargestellt.
Grad 1: Nicht wegdrückbare, lokal begrenzte Rötung der Haut
Grad 2: Teilverlust der Haut, ober­flächliche Wunde (z. B. als Blase, Abschürfung oder flaches Geschwür)
Grad 3: Verlust aller Hautschichten einschließlich Schädigung der untersten Hautschicht (tiefes, offenes Geschwür) oder Nekrose
Grad 4: Kompletter Gewebeverlust; Muskeln, Knochen oder Sehnen liegen frei

Im QS-Verfahren Dekubitusprophylaxe werden alle im Krankenhaus neu aufgetretenen Dekubitalulcera erfasst mit Ausnahme von Stadium 1 gemäß ICD-10-GM. Der Fokus liegt auf Dekubitalulcera, bei der die Haut stärker betroffen ist. Grad vier gemäß ICD-10-GM stellt ein schwerwiegendes Ereignis dar, denn das Geschwür kann bis auf den Knochen reichen (Qualitätsreport 2025, S. 163). Die Erfassung erfolgt risikoadjustiert, das heißt, individuelle Risikofaktoren wie Mobilitätseinschränkungen oder Begleiterkrankungen werden bei der Bewertung berücksichtigt. Die Dekubitusinzidenz, also die Anzahl neu aufgetretener Druckgeschwüre während eines Krankenhausaufenthalts, gilt international als wichtiger Qualitätsindikator für die Versorgungspraxis. Sie ist ein Hinweis darauf, wie gut Präventionsmaßnahmen umgesetzt werden und wo Verbesserungsbedarf besteht. Gerade weil ein Dekubitus oft vermeidbar ist, liefert dieser Indikator ein aussagekräftiges Bild der klinischen Versorgung.

Wirkung der externen Qualitätssicherung

Ein hoher Anteil an neu aufgetretenen schweren Druckgeschwüren im Krankenhaus gibt Hinweise auf mögliche Defizite in der pflegerischen Versorgung, sei es bei der Hautinspektion, der Risikoeinschätzung, der Mobilisation oder beim Einsatz antidekubitaler Hilfsmittel. Gut jede fünfte Klinik hat mindestens einen schwerwiegenden Dekubitus Grad 4 verzeichnet. Solche seltenen und schwerwiegenden Ereignisse werden immer im Rahmen eines Stellungnahmeverfahrens mit dem Krankenhaus durch externe Fachleute fachlich geprüft und bewertet. Diese fachliche Bewertung zeigt eine relevante Anzahl qualitativ auffälliger Krankenhäuser: Im Auswertejahr 2025 wurden 136 von 1.886 Krankenhausstandorte (7,21 %) auffällig.

Eine Pflegekraft legt eine Dekubitusunterlage in ein Klinikbett

Es zeigt sich also ein maßgebliches Verbesserungspotenzial. Die auffällig gewordenen Krankenhäuser haben nun die dringende Aufgabe, das Auftreten schwerer Druckgeschwüre nachhaltig zu verringern. Die Qualitätssicherung des G-BA schafft die notwendige Grundlage und insbesondere Transparenz, um Qualitätsprobleme in der Patientenversorgung aufseiten der Krankenhäuser aufzudecken – und damit auch erst die Möglichkeit, diese schnellstmöglich abzustellen. (dwe)

Patientinnen und Patienten sollen sich darauf verlassen können, dass Sie in den Krankenhäusern und Vertragsarztpraxen nach fachlich gebotener Qualität behandelt werden. Die datengestützte einrichtungsübergreifende Qualitätssicherung (DeQS) des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) ist dabei ein zentrales Instrument, um die Versorgungsqualität sichtbar zu machen und dort, wo Qualitätsdefizite erkannt werden, diese schnell abzustellen. Das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) stellt dem G-BA die Ergebnisdaten für eine einrichtungsvergleichende Veröffentlichung in Kliniksuchmaschinen zur Verfügung. Zudem hat das IQTIG die Ergebnisse zusammenfassend in einem Qualitätsreport dargestellt. Dieser bietet einen kompakten Überblick über die bundesweiten Ergebnisse der 15 datengestützten Qualitätssicherungsverfahren, des G-BA.

Aus diesem Qualitätsreport haben wir drei QS-Verfahren ausgewählt, um beispielhaft aufzuzeigen, wie externe Qualitätssicherung funktioniert und wie sie konkret zu mehr Patientensicherheit und besserer Versorgungsqualität der gesetzlich Krankenversicherten beitragen kann. In dieser und in den vergangenen zwei Ausgaben von 90 Prozent stellen wir folgenden QS-Verfahren vor:

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