Qualitätssicherung

Qualitätsreport 2025: Bedeutung interdisziplinärer Qualitätssicherung

Mai 2026

Im zweiten Teil unserer Serie zu Qualitätssicherungsverfahren beleuchten wir die Versorgung von rund 30.000 jährlichen Schlaganfällen aufgrund von Karotisstenosen (Verengungen einer oder beider Halsschlagadern) in Deutschland. Ein zugehöriger Qualitätsindikator zeigt auf, dass riskante Eingriffe inzwischen seltener durchgeführt werden.

Das Verfahren erfasst sowohl offen-chirurgische als auch kathetergestützte Behandlungen zur Verbesserung des Blutflusses in der Halsschlagader. Zum einen wird mit Blick auf die Indikationsstellung geprüft, ob nur Patientinnen und Patienten behandelt wurden, für die der Eingriff gemäß medizinischen Leitlinien empfohlen wird. Zum anderen werden Komplikationen erfasst – konkret: Wie viele Schlaganfälle und Todesfälle sind während und nach der Behandlung der Karotisstenose aufgetreten? Besonders auffällig im Qualitätsreport 2025 sind positive Entwicklungen im Bereich der Karotischirurgie. Zugleich wird die Bedeutung interdisziplinärer Entscheidungsprozesse deutlich.

Rückgang schwerer Komplikationen

Ein positives Signal liefert der Qualitätsindikator „Periprozedurale Schlaganfälle oder Tod bei gleichzeitigem Karotis-Eingriff und aortokoronarem Bypass“. Er misst, wie häufig es im Zusammenhang mit kombinierten Operationen an der Halsschlagader (Karotis) und den Herzkranzgefäßen (Bypasschirurgie) zu schwerwiegenden Komplikationen kommt, insbesondere zu Schlaganfällen oder Todesfällen. Bei diesen sogenannten simultanen Eingriffen werden beide Operationen während einer einzigen Narkose durchgeführt. Der Qualitätsreport zeigt für das Jahr 2025 einen deutlichen Rückgang von schweren Komplikationen im zeitlichen Zusammenhang mit simultanen Eingriffen gegenüber 2024: Im Jahr 2025 betrug der Anteil 6,98 % (6 von 86 Fällen), nachdem er im Jahr 2024 noch bei 12,61 % (14 von 111 Fällen) lag (Quelle: Qualitätsreport 2025, S. 23).

Quelle: GKV-Spitzenverband auf Basis des QS-Reports 2025, S. 23

Qualitätsindikator Bundesergebnis
2024
Bundesergebnis
2025
Periprozedurale Schlaganfälle oder Tod bei offen-chirurgischer Karotis-Revaskularisation bei asymptomatischer Karotisstenose als Simultaneingriff mit aortokoronarer Bypassoperation 12,61 %
6,98 %

Im Qualitätsindikator wird jeder aufgetretene Schlaganfall oder Todesfall nach einem kombinierten Eingriff (Simultaneingriff) als rechnerisch auffälliges Ergebnis betrachtet. Ziel ist es, zu prüfen, ob solche Doppeloperationen immer medizinisch sinnvoll und notwendig waren. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl der Patientinnen und Patienten, bei denen gleichzeitig eine Operation an der Halsschlagader (Karotis-Revaskularisationen) und eine Bypassoperation am Herzen durchgeführt wurde, gesunken (von 111 Eingriffen im Jahr 2024 auf 86 im Jahr 2025). Diese Entwicklung deutet auf eine vorsichtigere Patientenselektion sowie eine sorgfältigere Abwägung der behandelnden Ärztinnen und Ärzte hin, ob beide Eingriffe tatsächlich gleichzeitig erfolgen sollten.

Interdisziplinarität als Schlüssel zur Versorgungsqualität

Mit dem Erfassungsjahr 2024 wurden die Karotis-Indikatoren zur angemessenen Indikationsstellung überarbeitet und weitere Qualitätsindikatoren eingeführt. Zusätzlich wird nun berücksichtigt, ob im Vorfeld des Eingriffs eine Zweitbeurteilung des Stenosegrades erfolgte und ob die Indikationsstellung unter Einbeziehung der Fachdisziplinen Gefäßchirurgie, Neurologie und Radiologie stattgefunden hat. Damit wird die hohe Bedeutung einer exakten Diagnostik und einer strukturierten Zusammenarbeit mehrerer medizinischer Fachrichtungen bei der Entscheidung zur Behandlung von Karotisstenosen zukünftig auch in dem QS-Verfahren abgebildet werden können.

Drei Ärzte und Pflegekräfte während einer Operation in einem Krankenhaus

Die ersten Ergebnisse zeigen Verbesserungspotenzial bei asymptomatischen Karotisstenosefällen (QI 162400): Nur rund 63 Prozent der asymptomatischen Fälle erfüllen derzeit alle definierten Qualitätsziele (Quelle: Qualitätsreport 2025, S. 22). Der durch die Qualitätssicherung sichtbar gewordene Verbesserungsbedarf liegt in der konsequenten Umsetzung der interdisziplinären Entscheidungsfindung der genannten Fachdisziplinen. Es ist nun Aufgabe der auffällig gewordenen Krankenhäuser, diese Prozesse zu verbessern und die für die Patientenversorgung wichtige interdisziplinären Entscheidungsfindung sicherzustellen. Ob dies gelingt, werden zukünftige Qualitätsmessungen zeigen.

Qualitätssicherung verbessert die Patientenversorgung

Gerade bei komplexen und fachübergreifenden Fragestellungen ist deren externe Qualitätssicherung unabdingbar. Nur sie schafft Vergleichbarkeit, macht Defizite sichtbar und setzt gezielte Impulse für strukturelle Verbesserungen. Das QS-Verfahren Karotis zeigt beispielhaft, wie Qualitätssicherung Versorgungsrisiken reduzieren kann, und damit auch für bessere, patientenzentrierte Entscheidungen sorgt. (dwe)

Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten sol­len sich dar­auf ver­las­sen kön­nen, dass sie in Kran­ken­häu­sern und ver­trags­ärzt­li­chen Pra­xen nach fach­lich ge­bo­te­ner Qua­li­tät be­han­delt wer­den. Seit gut neun Jah­ren mes­sen in­zwi­schen zahl­rei­che Ver­fah­ren zur Qua­li­täts­si­che­rung (QS), ob Vor­ga­ben in al­len Kli­ni­ken kor­rekt um­ge­setzt wer­den. Die Er­geb­nis­se zei­gen, dass sich schon viel ge­tan hat in der Qua­li­täts­si­che­rung.

Die da­ten­ge­stütz­te ein­rich­tungs­über­grei­fen­de Qua­li­täts­si­che­rung (DeQS) des Ge­mein­sa­men Bun­des­aus­schus­ses (G-BA) ist da­bei ein zen­tra­les In­stru­ment, um die Ver­sor­gungs­qua­li­tät sicht­bar zu ma­chen und dort, wo Qua­li­täts­de­fi­zi­te er­kannt wer­den, die­se schnell ab­zu­stel­len. Das In­sti­tut für Qua­li­täts­si­che­rung und Trans­pa­renz im Ge­sund­heits­we­sen (IQ­TIG) stellt dem G-BA die Er­geb­nis­da­ten für eine ein­rich­tungs­ver­glei­chen­de Ver­öf­fent­li­chung in Kli­nik­such­ma­schi­nen zur Ver­fü­gung. Zu­dem hat das IQ­TIG die Er­geb­nis­se zu­sam­men­fas­send in ei­nem Qua­li­täts­re­port dar­ge­stellt. Die­ser bie­tet ei­nen kom­pak­ten Über­blick über die bun­des­wei­ten Er­geb­nis­se der 15 da­ten­ge­stütz­ten Qua­li­täts­si­che­rungs­ver­fah­ren des G-BA.

An­hand von drei die­ser QS-Ver­fah­ren zei­gen wir bei­spiel­haft auf, wie ex­ter­ne Qua­li­täts­si­che­rung funk­tio­niert und wie sie kon­kret zu mehr Pa­ti­en­ten­si­cher­heit und bes­se­rer Ver­sor­gungs­qua­li­tät der ge­setz­lich Kran­ken­ver­si­cher­ten bei­tra­gen kann. In die­ser und in den nächs­ten zwei Aus­ga­ben stel­len wir fol­gen­den QS-Ver­fah­ren vor:



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